Fährt man von Klagenfurt aus etwas mehr als 15 Kilometer in den Süden, entdeckt man den kleinen Ort Ferlach. Knapp 7500 sportverrückte Einwohner leben hier, speziell bekannt für den erfolgreichen Handballverein in Österreichs höchster Liga. Die südlichste Stadt Österreichs liegt am Fuße der Karawanken und blickt auf eine jahrhundertealte Tradition als Büchsenmacherstadt zurück. Der neueste Stolz ist allerdings der Eishockey Komplex, das Hockey Trainingszentrum Ferlach, bestehend aus zwei großen und zwei kleinen Eisflächen. Seit 2021 kann hier ganzjährig dem Puck nachgejagt werden. Ein Café, moderne Kabinen und ein Fitnessraum ergänzen das Angebot.
Im Rahmen der „United World Games“ wird das Eishockey Turnier hier ausgetragen. Mannschaften aus dem Eishockey begeisterten Bundesland Kärnten matchen sich dabei unter anderem mit Gegnern aus den USA, Kanada, Frankreich, Italien und vielen mehr. Die größte Delegation des gesamten Turniers kommt aus Québec, der hinsichtlich der Fläche größten Provinz Kanadas und diejenige mit dem größten frankophonen Bevölkerungsanteil. Mit ihrer Sprache, ihrer Kultur und ihren Vereinen stellen sie eine eigenständige nationale Gemeinschaft innerhalb Kanadas dar. Auch in Kärnten repräsentieren sie stolz ihre blau-weißen Farben. „Wir werden das Turnier gewinnen, es gibt gar keine andere Option“, so ein Vater siegessicher. Welches genau? „Naja alle“, lautet da wieder die stolze Antwort. In der Altersklasse der unter zehnjährigen stimmt das haargenau, in der U12 müssen sie sich den Teams aus Klagenfurt geschlagen geben und werden Dritter. Bei den Mädchen in der Altersklasse U16 werden sie ebenfalls Dritter. Ganz unrecht hatten die beiden Väter also nicht.
Blau-weiß sind also die Farben, die man an vielen Spielstätten sehr dominant repräsentiert sieht. In der Eishalle in Ferlach mischt sich dann noch das rot-weiß des EC KAC dazu. Dabei handelt es sich um den Klagenfurter Eishockey Verein, immerhin Österreichs Rekordmeister. Für die jungen Spielerinnen und Spieler ist es ein großartiges Erlebnis sich mit Mannschaften aus dem Mutterland des Pucksports zu messen. Viele Augen richten sich dabei auf einen ruhig und besonnen dreinschauenden Mann hinter der Bande. In kurzen Hosen wirkt er so, als würde er zur Eishalle dazu gehören. In gewisser Weise stimmt das auch: Kirk Furey ist Cheftrainer es EC KAC, heute allerdings als Vater bei den „United World Games“ dabei.
Sein Sohn Skyler spielt bei einer Klagenfurter Auswahl und das sehr erfolgreich. „Es ist super, dass die Kids die Möglichkeit haben vor der Haustüre so ein internationales Turnier zu spielen. Das Level ist bunt gemischt und allgemein sehr hoch“, erzählt Kirk Furey. „Wichtig ist, dass sie gemeinsam Spaß haben am Eis. Sieg oder Niederlage stehen hier nicht im Vordergrund, aber natürlich strengen sich alle sehr an.“ Auch bei Vater Furey kommt während des Spiels der Trainer durch, immer wieder gibt er seinem Sohn und dessen Mannschaft Anweisungen. Der aus Nova Scotia, Kanada stammenden Kirk Furey kam 2007 als Spieler zu den „Rotjacken“ und übernahm zur Saison 2023/24 das Amt des Cheftrainers. Skylers Team schlägt sich hervorragend, sie erreichen das Finale und verlieren dort denkbar knapp gegen ein weiteres Klagenfurter Team. Blau-weiß, also Quebec wird in dieser Kategorie Dritter.
Skylers Team spielt in der Gruppenphase auch gegen eine Mannschaft aus Frankreich, genauer gesagt gegen Valence Lynx. Für die Vertreter aus der Stadt im Rhone-Tal bedeutet ihre Teilnahme heuer noch einen Lernprozess. Sie halten tapfer dagegen, aber können mit ihren Gegnern oft nicht über die ganze Spielzeit mithalten. „Unsere Kinder profitieren von solchen Turnieren, auch wenn das Level aktuell für uns noch ein wenig zu hoch ist. Wir planen nächstes Jahr mit weit mehr Teams zu kommen, es ist eine unbezahlbare Erfahrung“, so ihr Coach Jeremy. Das Eishockey Turnier hat sich im Rahmen der „United World Games“ bereits fix etabliert, auch dank der neuen Eishallen in Ferlach. In Österreich ist ganzjährig bespielbares Eis mittlerweile Luxus geworden. In Ferlach kommen Athletinnen und Athleten ganz auf ihre Kosten, sie können sich zwischen ihren Spielen im daneben vorbeifließenden kleinen Fluss abkühlen, das Beste aus beiden Welten also.
Fotocredits: Nagel | Wisthaler | World of Communication


