Wenn man zum ersten Mal ein Rugbyspiel live vom Spielfeldrand verfolgt, stellt man sich diverse Fragen, die drängendste wohl: wie kann das gut gehen? Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Alterskategorien liefern sich beherzte, an Intensität kaum vergleichbare Duelle. Sie kämpfen um jeden Zentimeter Klagenfurter Rasen, bejubeln Versuch um Versuch. Ich will hier nichts beschönigen: das Sanitätsteam, welches auf den Rugby Feldern eingeteilt ist, muss leider am meisten arbeiten. Das gehöre eben dazu, hört man auf den Plätzen. Ebenso wie ein beeindruckendes Maß an Respekt gegenüber dem Gegner und den Schiedsrichtern. In keinem anderen Sport wird so viel Wert auf gutes Benehmen und respektvollen Umgang gelegt. Rugby ist mit seiner Intensität und der Art des Umgangs miteinander Vorbild für Sport und Gesellschaft und damit ist der Geist der United World Games auf diesen Plätzen besonders deutlich spürbar.
Etwas das ebenso in hohem Maße wertgeschätzt wird, sind Erfolge. Auf den Feldern ist oft das englische Wort ‚resume‘ zu hören, also in etwa übersetzt die „Laufbahn“ einer Person. Konkret: wo hat jemand gespielt und was hat er oder sie gewonnen. 2016 war Waisale Serevi zu Gast bei den United World Games. Für viele Fans und Expertinnen der beste 7er Rugby Spieler der Geschichte. Er war Kapitän von Fiji und ist Mitglied der „World Rugby Hall of Fame“. Jedes Mal, wenn er an einer Mannschaft vorüber ging, wurde eifrig getuschelt, ein Raunen ging durch die Zuschauermenge. Seine Erfolge sprechen für sich, unter anderem zwei Goldmedaillen bei den „Hong Kong Sevens“. Sein Spitzname war „The Wizard“ und er hat auch das Event mit seinem Glanz verzaubert. Viele Kinder und Jugendliche nutzten damals ihre Chance um ein Autogramm oder ein Foto zu ergattern. Serevi hat sich sogar an die Seitenlinie gestellt und ein Team betreut. Für seine Spieler und die Gegner war es ein „surreales Erlebnis“, wie ein Jugendlicher mit strahlenden Augen erzählte.
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2025 hat ein anderer viele Blicke auf sich gezogen. Ein junger Trainer aus Spanien an der Seitenlinie bei den „Eggchasers“ aus Großbritannien. Sein Name: Joaquin Gali. Der 23jährige ist aktiver Rugby Profi und spielt für „Stade Français Paris Rugby“ in der ersten französischen Liga. Aktuell arbeitet er nach einer Verletzung, gehört also scheinbar dazu, an einem Comeback. Er repräsentierte alle Jugendnationalteams Spaniens und hat auch schon bei den Männern debütiert. Sein Traum ist es, sein Land bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten. Zunächst gibt er allerdings sein Debut als Trainer der U16 Mädchen bei den United World Games. „Ich bin beeindruckt vom Level, das hier gespielt wird. Das ist ein toller Bewerb und eine richtig große Herausforderung für meine Spielerinnen“, schwärmt der Profi.
Rugby wird bei den United World Games sowohl beim Stadion als auch am Koschatplatz gespielt, die Heimat der „Klagenfurt Tigers“. Einige wenige Bäume sorgen für etwas Schatten, zusätzlich aufgestellte Mini Pools sorgen für Abkühlung. Wie immer beim Rugby läuft das Turnier sehr unaufgeregt und perfekt organisiert ab. Es wird viel fachgesimpelt unter den Trainern und Schiedsrichtern. Auch die Spielerinnen und Spieler haben sichtlich Spaß, trotz der Hitze. „Das ist das coolste was ich jemals gemacht habe, hier in Klagenfurt zu spielen, die Eröffnungszeremonie zu erleben, ich bin begeistert“, erzählt etwa Elli von der „Eggchasers Academy“. Die Akademie wurde vom internationalen 7er-Spieler Arun Watkins gegründet. Ziel der Akademie ist es, Spielerinnen für die von Arun gegründeten und geleiteten Lions & Lionesses Elite 7er-Teams auszubilden. Ihre hohen Ambitionen und das beeindruckende Niveau werden schnell augenscheinlich. „Wenn man beim Rugby etwas erreichen will, dann braucht es vor allem Charakterstärke und den Willen zu arbeiten. Das sind zentrale Bausteine für eine Karriere“, beschreibt Gali den Weg an die Spitze. Den Weg, den er aktuell geht und seinen Spielerinnen vermitteln will. Die United World Games sind der ideale Nährboden dem „Rugby-Ei“ und seinen Träumen nachzujagen und sie hoffentlich zu verwirklichen.
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